Das Mörderhaus - Augst-BL

4302 Augst, unser Dorf
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Das Mörderhaus

Neues Kapitel für das Kaiseraugster
"Mörderhaus"
Lange war unklar, was mit dem so genannten Mörderhaus von Kaiseraugst geschehen soll. Jetzt ist es gerettet. Seine Besitzer haben es renoviert, und es ist nun eine Augenweide für die Spaziergänger am Rhein. Und wenig erinnert heute an die traurige Vergangenheit des Gebäudes.
Haus mit dunkler Vergangenheit.
Anfang der 80er Jahre wurde in diesem Haus am Rhein bei Kaiseraugst die Leiche einer Frau gefunden. Heute, rund 20 Jahre später, erstrahlt es in neuem Glanz.

Kaiseraugst.
Es war zum Sterben ver­urteilt, das kleine Musfeld-Haus am Rhein in Kaiseraugst. Dabei hatte es eine bewegte Vergangenheit. 1928 wur­de es für eine Gartenbau-Ausstellung in Basel aufgestellt. «Damals war es eine Neuheit, ein modernes Freizeithaus mit einem speziellen architektonischen Touch», erzählt der heutige Besitzer des Hauses, Gery Obrist. Doch eine Ausstellung hat einmal ein Ende und so musste das Häuschen wieder fort. Den Abbruch in Basel übernahm eine Firma Musfeld. Sie zerlegte das Haus und transportierte es auf das Land einer Zellulosefabrik am Rande von Kaiseraugst. Dort hatte sie Land von der Zel­lulosefabrik gemietet. Doch als Musfeld Konkurs machte, ging das Häuschen an die Baufirma Natterer über.
Hier begannen gute Zeiten für das kleine Haus am Rhein. Die Familie Natterer nutzte es jahrelang als Wochenend-Villa. Ein Zaun grenzte den Garten ab, ein Spielplatz mit Rundlauf erfreute die Kinder, und so wurde es zwei Generationen lang für gemütliche Weekends und Partys genutzt. Auch ein Bootshaus gehörte dazu, so dass die Zeiten am Rhein intensiv genossen wer­den konnten.

Partyraum und Absteige
Den heutigen Besitzer Gery Obrist verbindet mit dem Häuschen eine ganz persönliche Beziehung. Einer der Natterer-Brüder, nämlich Traugott, war sein Götti. Doch als die Ära der Natte­rers Anfang der 70er Jahre zu Ende ging, wurde das Haus von der Zellulosenfabrik an das Läng-Konsortium-wel­ches im Auftrag der Roche die Über­bauung Liebrüti realisiert hatte - ver­kauft. Nun begannen Zeiten der Irrungen und Wirrungen. Herr Läng hatte zwar Ideen und Visionen. Er wollte ein Tenniscenter für die Belegschaft der Roche bauen und liess schon mal Kana­lisations- und Wasserleitung einziehen. Doch bevor sein Traum Wirklichkeit wurde, starb er.
Nun wurde alles anders. Die Sonne ging unter über dem kleinen Haus am Rhein. Vagabunden nutzten es als Bleibe für die Nacht, Jugendliche feierten Partys und liessen den Abfall liegen, Vandalen hinterließen ihre Spuren. Und dann geschah das Schreckliche. Ein Mörder war von Rheinfelden Rich­tung Basel zu Fuss unterwegs. AmRhein entführte er eine 72-jährige Frau aus Kaiseraugst, vergewaltigte und ermordete sie. Einige Tage später wurde ihre Leiche im Musfeld-Haus aufgefun­den. Dies geschah Anfang der 80er Jahre.

Gemeinde kaufte Land und Haus
Doch trotz dieser traurigen Vergangenheit hielten einige standhaft zu der verwahrlosten Schönheit. Ruth und Gery Obrist ritten regelmässig an der Musfeld-Villa vorbei. Da sie mit ihren Pferden mitten in Kaiseraugst schlecht aufgehoben waren, schlich sich eine Idee bei ihnen ein: Sie wollten das Musfeld-Haus und ein Stück Land erwer­ben. Die Idee war bestechend, doch die Umsetzung brauchte viel Energie und Nerven. Ruth und Gery Obrist begaben sich auf einen Instanzenweg, der fast zwanzig Jahre dauern sollte. Sie hatten die Verkaufsverträge mit der Roche schon fast in der Tasche, als ihnen die Gemeinde Kaiseraugst das Land samt Haus vor der Nase wegkaufte. Der Kaufvertrag enthielt jedoch die Bedingung, dass die Gemeinde das Haus und ein Stück Land an Ruth und Gery Obrist weiterverkaufen müsse.
Nun begann ein Tauziehen um die Frage, ob das Weekend-Häuschen zu einem Wohnhaus umgebaut werden könnte. Vier Jahre lang kämpften die Obrists, bevor sie kapitulierten und ein anderes Wohnhaus auf dem Grund­stück erstellten. Auch das brauchte Nerven und Geduld, doch vor neun Jahren konnte die Familie samt Pferden endlich einziehen. Aber das Musfeld­Haus gaben Ruth und Gery Obrist nicht so leicht auf. Sie reichten gegen die Abbruch Verfügung Rekurs ein und sie bekamen durch verschiedene kantonale Instanzen hindurch Recht. Vor kurzem konnte Gery Obrist das Haus mit der schicken, gerundeten Fassade endlich instand stellen lassen. Er will es vorläufig als Gästehaus nutzen.
So ist es nun, nach zwanzig Jahren, endlich so weit: Das Mordhaus von Kaiseraugst blickt neuen Zeiten entgegen. Es ist wieder zur architektonischen Attraktion geworden.


Quelle:
DDieser Artikel ist aus der Basler Zeitung vom Dienstag, 3. September 2002
Aktualisiert: 26.11.2017
  • 15. 09.2006 erste Aufschaltung, bearbeitung mit Frontpage (36780 Besucher)
  • 06.02.2017 überareitete Version mit WebSite X5 aufgeschaltet
  • Webmaster: René Meyre
kostenloser Unofficial WsX5 Counter!
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü